Das Konzept

Eine Frage der Substanz

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Materialien und Herstellung

Als wir unsere ersten Bögen bauten, wussten wir noch nichts von der problematischen Situation um den gefährdeten Fernambuk-Baum (Caesalpina echinata). Wir hatten die Carbonfaser gewählt, weil sie uns Möglichkeiten bietet wie kein anderer Werkstoff. Erst vor einigen Jahren erfuhren wir dann von den speziellen Artenschutzproblemen im Brasilianischen Regenwald. Die Mata Atlantica, die Heimat des Fernambuks, wurde seit dem Beginn der Besiedelung durch die Europäer auf etwa 7% seiner ursprünglichen Fläche zurückgedrängt. Über zwei Jahrhunderte waren diese Bäume in großem Stil rücksichtslos gerodet worden, unter anderem zur Gewinnung von rotem Farbstoff, aber das Holz war auch als äußerst robustes Bauholz geschätzt. Inzwischen werden in Deutschland keine Bogenmacher mehr ausgebildet und die bestehenden Firmen verarbeiten ihre schwindenden Lagerbestände.

Von einem Mangel an Carbonfasern können wir glücklicherweise nicht berichten, wenngleich diese immer mehr Verbreitung in den verschiedensten Bereichen finden. Im Flugzeug- und Fahrzeugbau ermöglichen sie gewaltige Einsparungen am Gewicht, bei gleichzeitig stark verbesserter Sicherheit und Lebensdauer. Ein Rennrad besteht heute fast komplett aus Carbon, wiegt gerade mal noch 7 kg und ist dabei fast unzerstörbar. Große Windenergieanlagen wären ohne die Carbonholme in den Flügeln so gar nicht möglich.

Der Grund für die erstaunliche Karriere der Carbonfasern liegt in ihren einzigartigen Eigenschaften. Sie bestehen aus reinem Kohlenstoff. Dies ist das kleinste Element /Atom mit den maximal möglichen vier Bindungen an andere Atome. Aus diesem Grund sind Kohlenstoffketten auch das zentrale Element aller komplexen Bausteinen des Lebens, wie Aminosäuren (Eiweiss), Zuckern und Fetten. Wenn sich der Kohlenstoff räumlich vernetzt, entsteht das absolut härteste Material in diesem Universum, der Diamant. Nicht ganz so perfekt ausgerichtet wie im Diamanten, und eben lang gestreckt - ungefähr so können Sie sich die Carbonfaser im Inneren vorstellen. Die Eigenschaften sind schlicht sensationell: Leichter als Aluminium und dabei so fest und steif wie hochfester Stahl.

Um aus den losen Carbonfaser ein robustes und belastbares Bauteil zu fertigen, muss man sie mit einem Klebstoff zu einem Stück verbinden. Wir verwenden dazu ein hochfestes Expoxidharz, wie sie es vielleicht von 2-Komponenten-Klebern kennen. Das Harz ist im Vergleich zur Faser viel weicher und hat eine recht hohe Dämpfung, weshalb wir dessen Anteil in der Bogenstange so weit wie möglich minimieren. Im Vergleich mit Fernambukholz erreichen wir auf diese Weise bei halbem Gewicht eine Verdoppelung der Steifigkeit / Spannkraft.

Genau wie beim Holz, gibt es auch bei Carbonfaser-Werkstoffen gewaltige Unterschiede in der Qualität und im Preis. So kann man heute Carbonbögen zu Preisen kaufen, die unter unserem Einkaufspreis allein des Rohmaterials liegen. Genau so groß sind die Unterschiede in der Verarbeitung. Wir laminieren unsere Stangen in mehreren, extrem dünnen Lagen von Hand, und verarbeiten sie ebenso von Hand weiter. Der Aufwand ist vergleichbar mit der Fertigung feinster Holzbögen, aber nur so können wir Bögen fertigen, die ganz nahe dran sind an der Perfektion.

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